Projektidee

Unter dem Titel „Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben – „Lästige Ausländer“ in der Weimarer Republik haben Studierende der Universitäten Heidelberg, Hamburg und Bremen in einem Lehrprojekt unter Leitung von Nils Steffen (Heidelberg) und Eva Schöck-Quinteros (Hamburg, Bremen) historische Dokumente, Briefe, Parlamentsdebatten und Zeitungsartikel aus den Archiven und Bibliotheken der Region aufgespürt, die dieses fast vergessene Kapitel der Migrationsgeschichte wieder sichtbar machen. Ziel war es, die Ergebnisse der studentischen Forschungen auf der Bühne zum Sprechen zu bringen.

Studierende im Labor des Historikers

Archive sind nach wie vor zentrale Arbeitsplätze für (angehende) Historikerinnen und Historiker. Anders als bei Bibliotheken unterliegen die internen Ordnungen des Archivguts in der Regel vielfältigen Kriterien, mit denen man ohne Übung nur schwer umgehen kann. Ziel des Projektes war es, den Studierenden das Archiv als Arbeitsplatz vorzustellen und ihnen die Arbeitsweisen im Archiv näherzubringen. Dazu haben die Studierenden einen kompletten Forschungsprozess durchlaufen: von der Entwicklung einer eigenen Fragestellung, über die Recherche, Transkription und Analyse von Quellen bis zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in einem Begleitband. Das Generallandesarchiv Karlsruhe und die Staatsarchive Hamburg und Bremen waren dem Projektteam dabei eine große Hilfe.

Erste Forschungsergebnisse haben die Studierenden der Universitäten Heidelberg und Hamburg im Juli 2016 auf einem gemeinsamen Workshop vorgestellt und diskutiert: Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben – Studierende erforschen den Umgang mit „lästigen Ausländern“ in der Weimarer Republik. Als Moderatorinnen und Kommentatorinnen gaben PD Dr. Kirsten Heinsohn (Stellv. Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg) und Dr. Miriam Rürup (Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg) den Studierenden ein erstes Feedback zu ihren Arbeiten.

Angewandte Geschichtswissenschaft trifft Angewandtes Theater

Die Besonderheit des Projektes liegt in der Vermittlung der Forschungsergebnisse: Von Beginn an war es das Ziel, die regionalen Ergebnisse der Projekte nicht nur in Begleitbänden zu veröffentlichen, sondern parallel auch die gefundenen historischen Dokumente auf der Bühne zum Sprechen zu bringen. Das Projekt orientiert sich damit an der Bremer Projektreihe „Aus den Akten auf die Bühne“, in der Eva Schöck-Quinteros seit 2007 mit Studierenden Themen der Bremer Geschichte mit theatralen Mitteln der Öffentlichkeit präsentiert. Als Projektpartner konnten wir die Theaterwerkstatt Heidelberg und die bremer shakespeare company gewinnen, die mit ihrer langjährigen Expertise die Lesungen mit Unterstützung der Studierenden aus den Quellen destilliert und inszeniert haben.